Girbova/ Rumänien

Thomas und Rosina Depner üben praktisch drei Berufe aus, von denen jeder einzelne schon für ein volles Programm sorgt: Sie sind Landwirte, leiten eine Pfingstgemeinde in ihrem 2.000-Seelen Dorf und sie verteilen quer durchs ganze Land Hilfsgüter. 

Wir sprachen mit ihnen über ihr Leben und ihre Arbeit.

Thomas und Rosina, eure Namen tauchen ja hin und wieder im „Aufwind“ auf, wenn es um Rumänien geht. Vielleicht fragt sich der eine oder andere Leser: Wer seid ihr? 
Rosina (lacht): Wir sind ganz einfache Leute.
Thomas: Rosina und ich arbeiten als Landwirte. Unsere Tochter Marianne mit ihrer Familie lebt auch hier in Urwegen, unsere anderen Kinder leben in Deutschland. Mein Beruf war Zimmermann, und das hat auch wunderbar funktioniert in der kommunistischen Zeit. Aber dann kam es anders. Es begann gleich nach der Revolution in Rumänien im Dezember 1989: Johannes Friese, Johannes Steinmüller und andere kamen als die Ersten und brachten Hilfsgüter ins Land. Die Transporte waren nicht einfach, aber sie kamen durch und die Freude war sehr groß. Und so funktioniert es bis heute. Seit 20 Jahren hat uns Gott diesen Beruf anvertraut, mit Hilfsgütern humanitäre Arbeit zu verrichten. Nach der Wende haben wir wie viele gedacht, dass es sicher bald für die Menschen in Rumänien leichter werden wird. Aber das war nicht so. Wir merken, dass es für die meisten immer noch schwer ist. Es gibt dieses Sprichwort: Die Reichen werden reicher und die Armen ärmer. Das erleben wir hier jeden Tag. Und es ist uns eine große Freude, helfen zu können. Wenn die Hilfsgüter von euch aus Tauscha kommen, ist es unsere Aufgabe dafür zu sorgen, dass sie ans richtige Ziel kommen. Ob Kleidung, oder Schuhe, Lebensmittel, medizinische und technische Ausrüstung oder Betten für Altenheime und Spitäler – die Freude ist sehr groß, wenn Menschen die Hilfsgüter erhalten.



Wie kommen sie an die richtige Adresse? 
Thomas: Das ist unterschiedlich. Wir fahren ins Land zu einzelnen Familien oder sie kommen zu uns und holen Sachen ab. Oder wir gehen in Gemeinden und sagen:„Hier ist ein Geschenk für euch!“ Viele Menschen können das nicht glauben; sie wollen für eine Bananenkiste mit Kleidern oder Schuhen bezahlen. Wir sagen:„Das bekommt ihr kostenlos.“ –„Nein, niemand gibt etwas kostenlos. Man muss für alles bezahlen.“ – „Das hier kommt von Gott! Und er ist ein reicher Gott. Er liebt alle Menschen.“ So haben wir die Möglichkeit, die Menschen neben den Hilfsgütern auch mit christlicher Literatur mit der Botschaft von Jesus zu erreichen. Die Hilfsgüter teilen wir nach Bedarf für Familien oder Gemeinden auf. So funktioniert das bei uns. Und die Menschen staunen und freuen sich, wenn sie etwas geschenkt bekommen. Wir sagen ihnen:„Vergesst nicht: Das, was ihr bekommt, hat jemand bezahlt! Es ist von weit her gekommen. Und auch so ein Transport kostet nicht weniger als 2.000 €. Das alles hat jemand für euch bezahlt!“ – „Ja, aber wer? Du, Thomas? Machst du das?“ –„Nein, wie könnte ich das? Aber Gott hat die Seinen überall in der Welt. Es gibt Menschen, die sich aufopfern, sich hingeben für andere. Die haben das bezahlt.“ – „Ach, so kommt das.“ –„Ja. Danke Gott und bete weiter!“ –„Wie soll ich beten?“ Viele Rumänen sind orthodoxe Gläubige. Ich sage zu ihnen:„Ihr habt doch von Klein auf das Vaterunser gelernt.“ –„Ja, die Mutter oder der Vater haben uns das beigebracht.“ –„Und dann gibt es die Zehn Gebote.“ – „Die Zehn Gebote? Ja, der Pope hat uns davon erzählt.“ Aber viele haben das vergessen, und nun erinnern sie sich wieder und fragen:„Und was hat das mit dem Christsein zu tun?“ Denn in Rumänien verstehen sich fast alle als Christen. Wir sagen: „Durch Glauben und Tun.“ Dann sagen wir:„Jetzt ist die Zeit gekommen, wo man seinen Weg überdenken sollte. Also anders zu leben und anders zu arbeiten.“ –„Und wie?“ –„Auf dem Glaubensweg. Lernt zu danken! Dann werdet ihr erleben, wie der Segen Gottes fließt. So wirst du ein lebendiger Fisch!“ –„Wieso ein lebendiger Fisch?“ –„Du siehst doch: Das Wasser fließt abwärts und ein toter Fisch merkt nichts davon. Aber ein lebendiger Fisch schwimmt aufwärts bis hoch in die Berge, gegen den Strom.“ So kommen viele Menschen ins Nachdenken. Sie fangen an, anders zu leben und auch anders zu arbeiten. Auf dem Glaubensweg, im Alltagsleben, auf dem Land oder in der Fabrik

Ihr leitet in Urwegen eine Pfingstgemeinde. Wie seid ihr dazu gekommen?
Rosina: Als Siebenbürger Sachsen stammen wir beide aus der Evangelischen Kirche. Wir wurden traditionell gläubig erzogen, getauft und konfirmiert. Als Thomas und ich heirateten, ging ich dann mit den Kindern in die Brüdergemeinde, die es hier im Ort gibt. Es gab dort deutsche Kinderund
Jugendstunden. Zur Brüdergemeinde gingen damals fast nur Siebenbürger Sachsen; heute sind die meisten von ihnen nach Deutschland gegangen. Thomas’ Eltern waren in die Pfingstgemeinde
übergetreten und er ging mit ihnen. Das war aber nicht gut – ich hier und er dort. Als unsere Kinder groß waren und ihre eigene Richtung fanden, ging ich dann auch zur Pfingstgemeinde. Das war unser Weg.
Wie es genau kam, weiß ich nicht, jedenfalls gab es in der Pfingstgemeinde eine Trennung. Irgendetwas war zwischen die Brüder gekommen. Mein Schwiegervater gründete in seinem Haus eine eigene Gemeinde, zu der neben Thomas und mir größtenteils Zigeunergeschwister* kamen.
Dann starb der Schwiegervater. Bald gab der Herr mir aufs Herz, dass wir uns wieder vereinen sollten. Ich sagte es Thomas und wir fragten den Prediger aus Sebes, der über unsere Gemeinde Hirte ist. Wir wollten nicht etwas durchsetzen, was nicht Gottes Wille ist. Der Prediger sagte: „Das ist ein guter Gedanke! Der ist sicher von Gott.“ Dann beteten wir für die Sache und fragten die anderen leitenden Brüder. Die meisten von ihnen waren für ein neues Zusammengehen. Aber wie sollte das gehen? Die Gemeinden versammelten sich in zwei Häusern; bei ihnen war es zu klein, und bei uns auch. Thomas bekam es aufs Herz, ein neues Gebets- und Gemeindehaus zu bauen; da war er 72 Jahre alt. Eine Sächsin aus dem Ort vererbte uns ihren Hof. Auf diesem Grundstück konnte mit Gottes Hilfe und mit viel Unterstützung aus dem Ausland der Bau gelingen. Es war wunderbar: Immer, wenn wir etwas brauchten – Sand zum Bauen, Geld für Dach ziegel, usw. – kam das Nötige.
Als das Haus vor fünf Jahren fertig wurde, kamen die beiden Gemeinden zusammen. Das ist eine große Freude für uns. Unsere Aufgabe in der Gemeinde ist, dass wir sie betreuen und uns Mühe geben, dass alles gut läuft. Thomas predigt, leitet Gebetsversammlungen und Gottesdienste, alles auf Rumänisch.Wir sind in einem landesweiten Verbund von Pfingstgemeinden. Aber wir achten die Geschwister aus den anderen Kirchen sehr.

Gibt es ein Bibelwort, das für euch persönlich eine besondere Bedeutung hat?
Rosina: Ja. „Dienet dem Herrn mit Freuden“ (Ps.100,2).